Christian Ude

Flüchtlingsstreit: mit Gebrüll ins Getümmel?

Von am 9. Oktober 2015

Manchmal kommt der Rote Radler zerknirscht ins Grübeln: ist das jetzt endlich Altersweisheit – oder bloß eine ganz normale Alterserscheinung? Jedenfalls fehlt mir der Antrieb, mich beim Flüchtlingsstreit unter Absingen schmutziger Lieder über die Gegenseite ins Getümmel zu werfen.
Dabei muss klar sein und bleiben: wer Flüchtlinge anfeindet oder gar angreift, ist ein Extremist, wenn er es gar mit Brandstiftung tut, ein Verbrecher, sonst nichts. Und wer ehrenamtlich hilft, beweist Menschlichkeit – und greift auch unserem Gemeinwesen, das ohne solche Unterstützung zentrale Aufgaben nicht mehr erfüllen könnte, unter die Arme. Dafür kann es nicht genug Anerkennung und Dank geben.
Aber: Muss man wirklich den Einsruck erwecken, als würde das Asylrecht auch all denen zustehen, die die Armut von EU-Ländern wie Bulgarien und Rumänien verlassen wollen? Als könnten wir den Zustrom auch ohne europäische Solidarität ganz allein schultern? Als
würden gerade Flüchtlinge MIT Bleiberecht dauerhaft keinen Wohnraum in Anspruch nehmen? Als könnten wir alle Flüchtlinge OHNE Bleiberecht auch noch versorgen, ohne dass es für tatsächlich Asylberechtigte noch knapper wird? Als wäre es unstatthaft, sich Sorgen zu machen – obwohl auch die entschiedensten Fürsprecher der Flüchtlinge bei hohen Zahlenprognosen von drohender „Panik“ sprechen?
Eins steht fest: Deutschland – und ganz Europa – wird die Herausforderung nur meistern, wenn in der Bevölkerung die Gemeinsamkeit und nicht die Spaltung gepflegt wird!

Kolumne: Der Rote Radler
Schlagwörter:
Christian Ude